TRACOE medical informiert über Above Cuff Vocalisation (ACV)

(Nieder-Olm, September 2020) In der Schule, im Theater, im Kino – jeder weiß, wie es ist, für eine Zeit lang einmal nichts sagen zu dürfen. Aber stellen Sie sich vor, Sie könnten es erst gar nicht! Im Wachzustand verbringen Menschen in der Regel 61 % ihrer Zeit damit, mit anderen verbal zu kommunizieren1 – Sprache ist demnach ein ganz zentraler Aspekt des menschlichen Miteinanders und ein grundlegendes Bedürfnis. Seine Meinung äußern, sagen, was man möchte und vor allem was nicht, sich erklären und verständigen – für gesunde Menschen selbstverständlich, für Intensivpatienten unter Beatmung nicht. Denn sie benötigen in der Regel eine geblockte Tracheostomiekanüle, die zwar eine gesicherte Beatmung gewährleistet und das Sekretmanagement unterstützt. Jedoch kann die lebensrettende Behandlung auch eine physische und psychische Belastung bedeuten, denn beatmete Patienten verlieren zunächst die Fähigkeit zur verbalen Kommunikation, sind weitestgehend handlungs- und bewegungslos und erleiden daher den Verlust ihrer Autonomie. Mithilfe der Above Cuff Vocalisation (ACV) besteht für diese Patienten jedoch die Möglichkeit, wieder sprechen zu können – ein großer Motivationsfaktor bei der Rehabilitation und ein ganz wesentlicher Gewinn an Lebensqualität für den Patienten.

Die ACV-Methode
„Die überwiegende Mehrheit der Patienten auf Intensivstationen und Beatmungseinrichtungen, z. B. Frührehabilitation, werden in ihrer Lungenfunktion maschinell unterstützt“, erklärt Rimm Elfu, Gesamtvertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung TRACOE medical. Verschiedene Produkte können die Stimmbildung wieder ermöglichen, auch bei beatmeten Patienten, denn sie sorgen dafür, dass der Luftfluss bei der Ausatmung wieder über Kehlkopf, Stimmbänder und Mund verläuft. „Tracheostomiekanülen mit subglottischer Absaugung, wie zum Beispiel die TRACOE vario extract, die TRACOE twist extract oder die TRACOE twist plus extract, haben oberhalb des Cuffs einen zusätzlichen Schlauch zum Absaugen von Sekret. Geblockte Kanülen mit Absaugfunktion sind gerade für beatmete Patienten wichtig, denn diese können in den meisten Fällen ihren Schluckreflex nicht kontrollieren, sodass die Gefahr besteht, dass Sekret in die unteren Atemwege gelangt und sich das Risiko einer Pneumonie erhöht“, so Elfu weiter. Das bedeutet allerdings gleichzeitig, dass keine Luft über Kehlkopf, Mund und Nase entweichen kann. Bei der ACV-Methode wird über den gleichen Schlauch Luft oberhalb des Cuffs eingeleitet. „Diese entweicht dann nach oben, das heißt, die oberen Atemwege werden mit Luft versorgt und stimuliert – dadurch kann der Patient in den meisten Fällen wieder sprechen“, erklärt Elfu.

Sagen können, was einem auf dem Herzen liegt
Wenn man sich vor Augen führt, was es für Beatmungspatienten bedeutet, wieder sprechen zu können, wird schnell klar, warum ACV einen so positiven Einfluss auf den Zustand und den Krankheitsverlauf hat. „Die meisten Patienten sind in der Regel von einer schweren Erkrankung betroffen, z. B. von Pneumonie, COPD oder dem Guillain-Barré-Syndrom“, so Elfu: „Zusätzlich dann nicht in der Lage zu sein, mit Angehörigen, Ärzten und Pflegekräften zu sprechen und das Gefühl zu haben, nicht alles mitteilen zu können, belastet enorm.“ Das wiederum kann die Motivation, sich an der Rehabilitation zu beteiligen, deutlich verringern.2 Kann ein kritisch kranker Patient seine Sorgen oder Ängste nicht teilen, fühlt er gleichzeitig den Verlust seiner Autonomie und Integrität.3 „Unser dänischer Handelspartner berichtet von zwei Krankenschwestern, die sehr ambitioniert das Thema ACV verfolgen und umsetzen, etwa auch bei der 65-jährigen Patientin Tove,4 die von einer schweren Lungenerkrankung betroffen war“, erzählt Elfu: „Eine  selbstständige und aktive Frau mit einer sehr engen Beziehung zu ihrem sechsjährigen Enkelkind. Da Tove mehrere Wochen tracheotomiert gelegen hatte, konnte sie nicht sprechen. Schriftlich kommunizieren funktionierte zwar, es war aber nicht dasselbe, erst recht nicht mit der Enkelin. Erst durch die ACV-Therapie konnte Tove wieder sprechen.“ Das machte nicht nur die Besuche der Familie wieder lebendiger, sondern auch die Kommunikation mit dem Pflegepersonal einfacher und sicherer.

ACV macht einen gewaltigen Unterschied – auch für das Pflegepersonal
Neben vielen anderen Aspekten zählen Kommunikationsstörungen und der daraus resultierende Orientierungsmangel zu den möglichen Stressoren für die Entstehung eines Delirs – den Zustand akuter Verwirrtheit –, der für den Patienten besonders unangenehm und für die Gesellschaft kostspielig ist, da er einen längeren Aufenthalt sowohl auf der Intensivstation als auch auf der Bettenstation nach sich ziehen kann.5 Auch in der Kommunikation mit medizinischen Fachkräften kann die Fähigkeit, sprechen zu können, essenziell sein. Und das nicht nur für den Patienten, der selbstverständlich wissen und verstehen will, was mit ihm passiert.

Sprechen ist ein Grundbedürfnis
Mit seinen Mitmenschen sprechen zu können, ist ein grundlegendes Bedürfnis. Verbale Kommunikation mit dem Umfeld ermöglicht außerdem Orientierung in der aktuellen Situation. Sie fördert die Autonomie und die Mitarbeit des Patienten an seinem Genesungsprozess. Rimm Elfu: „Es ist eine Entlastung für den Patienten, wenn er seine Situation versteht und er Fragen dazu stellen kann. Es ist auch eine Entlastung für Pflegekräfte und Angehörige, wenn sie den Patienten hören und mit ihm kommunizieren können. Und nicht zuletzt spart es Zeit – im Vergleich zur Anwendung von Kommunikationshilfen wie Buchstabentafeln oder Lippenlesen.“ Der Gesamtvertriebsleiter weiter: „Bei TRACOE medical stellen wir stets das Patientenwohl in den Vordergrund – deshalb ist es uns ein Anliegen, die ACV-Methode auch hierzulande bekannter zu machen und so vielen Patienten ein großes Stück Lebensqualität zurückgeben zu können.“

Mehr Informationen über das gesamte Portfolio der Marke TRACOE sind auf der Website www.tracoe.com oder auf Facebook erhältlich.

  1. Adler, R. B & G. Rodman (2003): Understanding Human Communication, New York: Oxford University Press.
  2. Magnus, V. S. & L. Turkington (2006): Communication interaction in ICU-Patient and staff experiences and perceptions, in: Intensive and critical care nursing, Jg. 22, Nr. 3, 167–180.
  3. Gulbrandsen, T. &  D.-G. Stubberud (Hrsg.) (2015): Intensivsykepleie, 3. Aufl., Oslo: Cappelen Damm.
  4. From, M., K. Eggertsen, R. H. Rasmussen & K. Schmøkel (2020): Above Cuff Vocalisation (ACV). ACV can enable tracheostomized patients to speak, in: Respiratory Therapy, Jg. 15, Nr. 2, 33-36.
  5. Svenningsen, H. & C. Bagger (2009): Stille intensivdelirium er et overset fænomen i sygeplejen, in: Sygeplejersken, Jg. 8, 42–47.
Über TRACOE medical GmbH:

Die TRACOE medical GmbH mit Hauptsitz in Nieder-Olm (Rheinland-Pfalz) gehört zu den führenden Entwicklern und Herstellern von Medizinprodukten und Hilfsmitteln für Patienten mit Luftröhrenschnitt und Kehlkopfoperationen. Der Schwerpunkt des Premiumproduktportfolios liegt auf Tracheostomiekanülen zur Patientenversorgung in der Klinik wie auch im HomeCare-Bereich. Die TRACOE medical GmbH beschäftigt insgesamt rund 250 Angestellte und exportiert ihre Produkte in rund 90 Länder. Derzeit besitzt das Unternehmen 13 Patente, weitere 12 sind angemeldet. Das Unternehmen blickt auf eine 60-jährige Geschichte zurück, wurde bereits dreimal in die Top 100 des Deutschen Mittelstands gewählt und wird in dritter Generation geführt. Geschäftsführer sind Stephan Köhler und Dr. Thomas Jurisch.

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29.09.2020 Uhr
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